Projektbeschreibung
Beschaffung und Implementierung eines internetfähigen CIPAC (Card-Image Public Access Catalog) für die Stadtbibliothek Nürnberg
Bibliotheken tragen für die Wissensversorgung im privaten, akademischen und industriellen Nutzerkreis die Verantwortung - Die technische und organisatorische Abwicklung der Wissensversorgung unterliegt zur Zeit in allen Bereichen einem grundlegenden Wandel - Der ungheinderte, zeit- und ortsunabhängige Zugriff über das Internet auf Informationsquellen ist heutzutage selbstverständlich.
- Ausgangssituation
Die Stadtbibliothek Nürnberg kann als älteste Stadtbibliothek im deutschen Sprachraum auf eine über 600jährige Tradition zurückblicken. Sie bewahrt Kulturgut von außerordentlichem Rang (mittelalterliche und neuzeitliche Handschriften, Inkunabeln und alte Drucke). Zu diesen historischen Beständen, die heute in der Bibliothek untergebracht sind, gehören auch umfangreiche, wertvolle Sammlungen und Privatbibliotheken von überregionaler Bedeutung. Von ihrem hohen wissenschaftlichen Wert zeugen zahlreiche Besuche und fachliche Anfragen aus dem In- und Ausland. Leider waren bisher diese zum Teil unikalen historischen Bestände nur unzureichend über veraltete Zettelkataloge nachweisbar:
alphabetischer Autorenkatalog
alphabetischer Schlagwortkatalog
alphabetischer Schlagwortkatalog zur Nürnberg-Literatur (Die Ordnung dieser Zettelkataloge unterliegt den "Preussischen Instruktionen". Die Kataloge wurden 1974 deaktiviert, seitdem werden die Bestände elektronisch erfasst und im WebPAC der Stadtbibliothek nachgewiesen).
Der Bestellvorgang in der Bibliothek entspricht dem einer klassischen Magazinbibliothek: Wer ein Buch ausleihen will, muss vor Ort in den verschiedenen Katalogen recherchieren, einen Leihschein ausfüllen und auf die Lieferung aus dem Magazin warten.
- Mengengerüst und Katalogbesonderheiten
500.000 Katalogkarten im internationalen Bibliotheksformat
Deaktivierung des Katalogs 1974
Der Erhaltungs- und Qualitätszustand der Katalogzettel ist unterschiedlich:
- Aufklebungen
Ausfaserungen an den Rändern
brüchige Ecken
aufgerauhte Oberflächen- Teilweise...
farbige Karten
vergilbte Karten
handschriftlliche Einträge
Martizen-Abzüge
fremdsprachige Titelaufnahme
beschriebene Kartenrückseiten
- Zielsetzung
Die Stadtbibliothek Nürnberg plante zum Jahr 2006, die oben genannten drei Zettelkataloge zu digitalisieren und in einem internetfähigen Imagekatalog die Katalogkarten recherchierbar und darstellbar zu machen. Eine vom SRZ-Berlin angebotene Lösung des Agora IPAC war für die Bibliothek die in einem kurzen Zeitraum realisierbare und wirtschaftlichste Lösung, diesen umfangreichen Bestand weltweit nachzuweisen und der Öffentlichkeit wie auch der Forschung zugänglich zu machen.
- Lösung
Das vom SRZ-Berlin umgesetzte Verfahren ist eine Kombination von image scanning der Katalogkarten und manueller Erfassung von Leitkarten. Die relevanten Einträge einer Leitkarte werden in einem Index von Suchbegriffen gespeichert. Zu jedem Suchbegriff werden die Images der nachfolgenden Katalogkarten abgelegt. Nach Auswahl des entsprechenden Katalogs und Eingabe eines Suchbegriffs erhält der Benutzer eine Anzeige der Indexliste in der alphabetischen Umgebung des Suchbegriffs. Der Benutzer kann dann den passenden Begriff aus dem Index auswählen und an dieser Stelle mit dem Blättern in den Images der Katalogkarten beginnen.
Der Agora IPAC basiert auf den konventionellen alphabetischen Autoren- und Schlagwortkatalogen der Bibliotheken, so dass die Recherche sowohl nach Verfasser als auch thematisch nach Schlagwörtern durchgeführt werden kann.
Die Internet-Anwendung wurde mit einem Link auf den WebPAC der Stadtbibliothek Nürnberg realisiert.
- Fazit
Mit der Digitalisierung der Zettelkataloge soll insbesondere die Benutzungssituation in der Bibliothek verbessert werden: eine elektronische Bestellung des gefundenen Titels kann über eine implementierte Bestellfunktion ermöglicht werden. Das recherchierte Image wird inklusive Benutzerdaten an eine statische eMail-Adresse (z.B. Magazin) gesendet. Der Nutzer erhält eine automatisch generierte Bestätigung der Bestellung.
Ein gescannter Katalog ersetzt nie die retrospektive Katalogisierung. Nur in der Systemumgebung Agora Catalogue sind alle Recherchemöglichkeiten realisierbar, die von einem Internetkatalog erwartet werden. Der Agora IPAC ist jedoch eine preiswerte Lösung, den Gesamtbestand der Stadtbibliothek Nürnberg noch im Jahr 2006 weltweit recherchierbar zu machen. Das Verfahren erfordert nur geringe bibliothekarische Vorbereitung, wird ohne Unterbrechung und Störung des Bibliotheksbetriebes durchgeführt und ermöglicht die Langzeitsicherung des Kartenkatalogs. Die gescannten Zettelkataloge können nach Projektabschluss makuliert werden.